Impuls zum Sonntag

„Merkmal der Familie Gottes  menschlich miteinander umgehen“

„Merkmal der Familie Gottes – menschlich miteinander umgehen“

Liebe Schwestern und Brüder: Dass ich Sie so anrede, liebe Menschen von Warstein – und nicht beginne mit: Sehr geehrte Damen und Herren – sind wir  vor allen Dingen in unseren Kirchen/Gottesdiensten gewohnt, und vermutlich denkt man sich längst nichts mehr dabei: Weder der Prediger noch seine ZuhörerInnen. In Wahrheit aber haben wir damit jene Zusammengehörigkeit bzw. jenen Trennungsstrich nachvollzogen, den wir im  Evangelium an diesem Sonntag in der katholischen Kirche hören werden. (Mk 3,20-35):

 

„Wer ist meine Mutter und wer sind meine Schwestern/Brüder? Und er blickte auf die Menschen, die im Kreis um ihn saßen, und sprach: Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.“

 

Jesus sucht sich seine Familie selbst aus. Er schert sich nicht um Konvention und Abstammung. Was die Leute denken und was die Tradition lehrt, wischt er einfach beiseite.  Kühl und hart stößt er seine leibliche Familie zurück. Mit euch habe ich nichts zu schaffen. Irgendwelche Blutsbande interessieren mich nicht. Meine wahren Verwandten seid nicht ihr, sondern jene, die Gottes Willen tun. Das dürfte die Familie Jesu ziemlich verletzt haben. Das würde auch uns schwer verletzen, wenn uns unser Sohn/Tochter oder Bruder/Schwester so kalt abservierte,  als hätten wir nichts miteinander zu tun.

Verwandtschaftliche Bande sind Jesus  nicht per se gleichgültig. Wo sie von Liebe und Fürsorge geprägt sind, haben sie einen hohen Stellenwert.

Wer den Willen Gottes tut – merken Sie, welch hohen Stellenwert für Jesus das „Tun“ hat? Nicht wer allein an Gott glaubt, sondern wer in gleicher Weise Gottes Willen tut, ist Jesu wahrer Verwandter.

Das richtige Tun – ja, wenn das so einfach wäre! Was denn genau ist der Wille Gottes?

Das richtige Tun kommt aus dem Glauben. Tun und Glauben lassen sich niemals trennen. Ohne Glauben ist das Tun blind und ohne Richtung. Deshalb erzählt Jesus immer und immer wieder von Gott, von seiner Güte, seiner Barmherzigkeit, seiner Liebe.  Deshalb heilt Jesus Kranke, deshalb treibt er Dämonen aus und setzt sich mit denen an einen Tisch, die von den anderen ausgestoßen werden. Bis zur Provokation setzt sich Jesus für Menschlichkeit und Liebe ein. Und genau daran soll sich dann auch die Familie Gottes erkennen: Dass sie menschlich miteinander umgehen. Dass die Liebe Gottes in ihrem Tun und Reden erkennbar wird.

„Wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.“ – Diese Worte Jesu  weiten den Blick über die Familiengrenzen hinaus auf die ganze Menschheit. Überall auf der Welt kann die Familie Gottes zu finden sein.

Aber reden wir nicht nur über andere. Schauen wir auf uns selbst. Würde Jesus auch uns zu seinen Verwandten zählen? Tun wir den Willen Gottes?

Im Blick auf mich selbst fallen mir da jedenfalls Defizite ein. Vielleicht geht es Ihnen ähnlich. Jesus jedenfalls hat sich seine Familie selbst ausgesucht. Die den Willen Gottes tun, die sind seine Schwestern und Brüder. Gebe Gott, dass auch wir uns in der Liebe bewähren und zum Kreis der Familie Jesu gehören!

 

Ihre Beatrix Jakobi
Gemeindereferentin i.R.