Impuls zum Sonntag

„Wer bin ich, wer bist du für mich?“

„Wer bin ich, wer bist du für mich?“ sind Fragen, die wohl fast jedem Menschen irgendwann kommen. Darin geht es um die tiefere Wahrheit einer Person und nicht um die Abfrage von Ausweisdaten.
Die Frage im Markusevangelium, wer Jesus ist, richtet sich nicht nur an die Jünger damals, sondern auch an uns. Auch in meinem Leben an unterschiedlichen Orten und zu den verschiedensten Zeiten hat Jesus diese Frage an mich gerichtet. Wenn ich genau überlege stelle ich fest, dass es nicht nur eine Antwort gab und gibt. Manchmal fiel mir die Antwort leicht. Manchmal kam ich ins Stocken und ich wusste nicht mehr, was und wer mich trägt.  Gerne hätte ich ausgeklammert, was den Weg schwer, steinig und gefährlich macht, so wie PETRUS!

Petrus bringt’s im Markusevangelium auf den Punkt. Er trifft ins Schwarze: „Du bist der Messias.“

Prima! Goldrichtig! Vielleicht haben ihm die anderen anerkennend auf die Schulter geklopft.

Das Messiasbekenntnis des Petrus ist das eine, das Messiasschicksal annehmen, ist das andere!

Das äußere Bekenntnis zu Jesus kann leicht sein. Wie oft und schnell spreche und bekenne auch ich:  „Du allein bist der Heilige, du allein der Herr, du allein der Höchste, Jesus Christus!“

Aber der Nachvollzug, das Leben dieses Bekenntnisses im Alltag, das Stehen zu Jesus Christus, das Zeugnis geben vom Glauben, auch wenn es schwierig wird; das Ihm-Folgen auf seinem Weg und auch sein Schicksal teilen. Wie schwer kann das sein!

Ich meine, ich bin dem Petrus gar nicht so unähnlich.

Meine ich nicht auch manchmal genau zu wissen, wie Gott zu sein und zu handeln hat, was sein darf und was nicht?

Versuche ich nicht auch immer wieder, Gott nach meinen eigenen Vorstellungen zurechtzurücken?

Und zimmere ich mir nicht manchmal einen Glauben, der ganz behaglich und vernünftig ist, ein Wohlfühlglaube, möglichst leicht, möglichst angenehm?

Aber leider gibt es keine heile Welt. Es gibt nicht den Himmel auf Erden.

Ich bin sicher: Auch jeder von uns hat sein Päckchen zu tragen.

Immer wieder erfahren wir, wie uns etwas gegen den Strich geht, uns zusetzt, uns zu schaffen macht. Immer wieder erfahren wir, wie unser Leben durch-kreuzt wird.

Immer wieder geraten wir in Krisen, Sackgassen und Dunkelheiten.

„Weg mit dir, Satan!“ ruft Jesus Petrus zu. Wörtlich: „Hinter mich!“

Mir nach! Wieder in meine Spur, auf meinen Weg!

Ihm zu folgen, gelingt mir immer dann, wenn mein Herz brennt und meine Sehnsucht groß ist..

„Hinter mich! Mir nach!“ ruft Jesus  uns allen zu.

Dort ist auch unser Platz, der Platz des Jüngers und der Jüngerin Jesu, der Platz in seiner Nachfolge.

Ich finde meine Antwort auf diese Frage nur, wenn ich versuche mein Leben, so wie es ist, anzunehmen und Jesus nachgehe: Bittend, klagend, hoffend und liebend.

Ihre Beatrix Jakobi