Alles zu seiner Zeit.
Die heilige Theresia von Avila (1515 – 1582) war eine schlaue und tiefgeistige Frau. Sie wusste aber auch zu genießen. Einmal warf ihr jemand vor, dass sie bei einem Festmahl so viel aß. Daraufhin meinte sie: „Wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn. Wenn Fasten, dann Fasten.“
Vor ein paar Tagen ging es bei uns hoch her. Der Karneval hatte uns für ein paar Wochen fest in Beschlag genommen. Es wurde gefeiert, gelacht und getanzt, was das Zeug hält. Doch am Aschermittwoch war alles vorbei. Es wäre wohl wirklich ein Narr, wer heute im bunten Kostüm über die Straßen springen würde.
Rebhuhn ist also aus. Jetzt gilt: „Wenn Fasten, dann Fasten.“ Dabei geht es aber nicht (nur) um eine Diät nach all dem Schlemmen. Die liturgische Farbe in der Kirche ist nun bis Ostern Violett. Das ist die Farbe der Besinnung und Einkehr, der Umkehr und Buße. Etwas unangenehm und lästig vielleicht; damit nimmt man es nicht so genau heutzutage. Schade eigentlich.
Vielleicht motiviert da die Bedeutung des Wortes „fasten“. Es kommt vom altgermanischen Wortstamm „fast“, was fest, standhaft, streng oder gebunden meinte. Fasten wäre dann – wie im Englischen „fasten your seatbelt – schnallen Sie sich an“ – eine bewusste innere Haltung des „Sich-fest-Machens“ an etwas oder jemand Größerem, ein „Standhaft-Bleiben“.
Zu Beginn der Fastenzeit sind wir also zu einer geistigen Übung eingeladen: Überlegen Sie, woran Sie sich festmachen möchten. Es geht nicht zuerst um Verzicht, sondern um die Frage: Was ist wesentlich in meinem Leben, was gibt mir Halt und Sinn? Denn diese 40 Tage bis Ostern wollen uns nicht klein (oder dünn) machen, sondern innerlich stark und fest.
Von der heilige Theresia von Avila stammt auch das Wort: „Sei freundlich zu deinem Leib, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen.“ So gesehen ist der leibliche Verzicht vielleicht hin und wieder doch auch eine gute Hilfe für das „Sich-fest-Machen“ an einem bzw. dem Größeren. „Wenn Fasten, dann Fasten.“ Alles zu seiner Zeit.
Markus Gudermann