Impuls zum Sonntag

Remigration jetzt oder (besser:) nie

Und dabei war weder Karneval noch Schützenfest…

Eine Woche ist jetzt eines der beeindruckendsten Ereignisse her, die ich in meinen 30 Jahren in  Warstein erlebt habe: 2500 Menschen gehen miteinander auf die Straße. Menschen, die im normalen Leben teilweise wohl keine Berührungspunkte gehabt hätten, machen sich miteinander auf den Weg, um ein Zeichen für die Erhaltung der tragenden Werte unserer Gesellschaft zu setzen: für Demokratie, für Vielfalt, für Menschenrechte. Sie denken jetzt vielleicht: „Hey, das habe ich doch schon gelesen.“ (Und vielleicht waren Sie am vergangenen Samstag ja sogar auf dem Marktplatz sogar dabei.) Stimmt. Aber das kann man gar nicht oft genug lesen.

Dass man mit diesen Werten (Demokratie, Vielfalt, Menschenrechte) Menschen ausgrenzt, die Menschen ausgrenzen wollen, liegt dabei auf der Hand. Und damit stellt sich zugleich die Frage: Darf man als Pastor solche Gedanken überhaupt äußern? Muss man nicht vielmehr Menschen mit ausländerfeindlichen Ansichten da abholen, wo sie stehen, um sie in die Gemeinschaft zurückzuholen?

Im Rahmen der Übergabe der Zehn Gebote an das Volk Israel gibt Gott dem Volk im sogenannten „Bundesbuch“ weitere Regeln für den Umgang untereinander. Da heißt es ausdrücklich: „Einen Fremden sollst du nicht bedrücken und bedrängen.“ (2.Mose/ Exodus 22,20) Und immer wieder wird im Alten Testament darauf hingewiesen, dass die Regeln, die Gott für das Volk Israel aufstellt, auch für die Fremden in seiner Mitte gelten.

Daraus folgt zweierlei:

1.) Die Fremden (heute würde man sagen: Menschen mit Migrationshintergrund) gehören selbstverständlich dazu.

2.) Allerdings: Auch die Fremden haben die Gesetze Israels zu respektieren, damit ihnen der Schutz der Gesetze ebenso zuteilwird wie den Einheimischen: „Für die ganze Gemeinde gelte nur eine Satzung, für euch wie auch für die Fremdlinge. Eine ewige Satzung soll das sein für eure Nachkommen, dass vor dem Herrn der Fremdling sei wie ihr.“ (4.Mose/ Numeri 15,15)

Und somit gilt kurz gesagt: Die Forderung nach Remigration ist nicht nur unchristlich, sondern zutiefst gottlos (trennt sie doch auch schon vom Gott des Alten Testaments).

Und wenn manche Menschen von „Remigration“ träumen: Vielleicht sollten wir dabei mit den Bundestagsabgeordneten  anfangen, die Deutschland so sehr lieben, dass sie ihren Hauptwohnsitz im Ausland haben. (Sollten Sie jetzt nicht wissen, wen ich meinen könnte, dann googeln Sie doch mal „Hauptwohnsitz von Alice Weidel“.)

Mit freundlichen Grüßen für die drinnen und draußen

Ihr Pastor Uwe Müller