Impuls zum Sonntag

Die letzte Waffe der Hoffnung

Der Mensch ist ein Geschöpf, das nicht nur arbeitet und denkt, sondern auch singt, tanzt, betet und feiert. Und für (fast) alles davon steht der Karneval.

„Das Gelächter ist der Hoffnung letzte Waffe“, hat mal jemand geschrieben. Und er hat recht damit, wie diejenigen, die zu meiner Studienzeit den Spontispruch „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ umwandelten in: „Lacht kaputt, was euch kaputt macht!“

„Die Mottowagen des Kölner Karnevals waren noch nie so politisch wie in diesem Jahr“, vermeldete der WDR gerade. Was in dieser Weltzeit nicht ganz ungefährlich ist, wie man an der Anklage der russischen Narren gegen den Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly sehen kann. Der hatte es gewagt, sich über den Massenmörder von Moskau im Karneval lustig zu machen. Und wenn Gewaltherrscher – heute muss man leider sagen: in Ost und West – etwas nicht ertragen können, dann ist es, wenn man ihre Machtgeilheit bloßstellet und sie so lächerlich darstellt, wie sie ja nun einmal sind.

Der wahre Narr dagegen weigert sich, die Welt so hinzunehmen, wie sie ist. Er lacht über diejenigen, die ewig jung und schön sein wollen, menschliche Katastrophen verursachen und Kriege anstiften, und bestreitet ihnen so ihre Macht.

Damit steht er dann – in allem Feiern und Frohsinn – an der Seite Gottes, von dem die Bibel bekennt, dass er über den Bösen lacht und spottet.

Und richtig weise ist, wer auch über sich selbst lachen kann, weil er weiß, dass lächerliche Seiten auch in ihm zu finden sind. So wie die greise Sara (die Frau Abrahams), die ihren Sohn Isaak, also „Gelächter“ nennt, weil in ihrem Alter ein Kind zu gebären einfach ein Witz ist – der Sara in den Augen ihrer Zeitgenossen selbst zu einer Witzfigur machen könnte.

Gleich ihrer kann der Glaubende sich über die eigene Lächerlichkeit lustig machen. Und zu all dem lädt uns der Karneval ein. Deshalb: Feiern Sie mit! Denn der christliche Glaube rechnet mit der Hoffnung, dass am Ende das Lachen gegen alle verbissene Bosheit an siegt, dass am Ende ein heiteres Fest steht, bei dem sich niemand mehr selbst groß und wichtig machen muss, weil der göttliche Gastgeber uns wichtig nimmt und darin groß macht.

Einen tollen Sessionshöhepunkt wünscht Ihnen Ihr Pastor Uwe Müller.