Die Schwalben fliegen jetzt erst einmal „furt“, aber sie werden schon wiederkommen!
Am 8. September feiert die Kirche das Fest Mariä Geburt. „Mariä Geburt fliegen die Schwalben furt“, sagt der weise Volksmund. Apropos weise: Einer der Titel Mariens – in der sogenannten Lauretanischen Litanei – ist „Sedes sapientiae / Sitz der Weisheit“.
In der Kunstepoche der Romanik wurde Maria auf einem Thron sitzend dargestellt, Jesus auf ihrem Schoß, ein Zepter in der Hand. In alten Kirchen finden wir diese Darstellung häufig, etwa auch in den benachbarten Wallfahrtsorten Werl und Kloster Oelinghausen.
Soviel wir von Maria durch die Bibel erfahren oder über ihr Leben vermuten können, besaß sie kein außergewöhnliches Wissen, aber ein gutes Gespür. Sie wurde von Gott in besonderem Maße begnadet und trug Jesus Christus, die „Weisheit Gottes“ in ihrem Schoß.
Der Theologe Peter Will sagt: „Wissen allein genügt im menschlichen Leben nicht. Wissen kann uns sehr gute Dienste leisten, aber es braucht auch die Weisheit. Wie zum Beispiel tröste ich einen Menschen, der von einem Schicksalsschlag getroffen wurde? Wie gewinne ich einen Menschen für Gott, der ein Suchender ist? Wie helfe ich einem Menschen, der eine Lebensentscheidung treffen muss? Es gibt viele Situationen im Leben, in denen man mehr als Wissen benötigt. In solchen Momenten braucht der Mensch die Weisheit, d.h. einen Blick auf das Wesentliche, das Entscheidende, das Bleibende. Es braucht ein Sehen, Denken und Urteilen aus dem Glauben heraus. Es braucht Klugheit und Verstand.“
Man könnte sicherlich hinzufügen, es braucht im Umgang mit anderen Menschen zunächst ein zuvorkommendes Wohlwollen, dazu mahnt uns das christliche Menschenbild.
Weise ist wohl ab und an auch ein bewusster Blick auf sich selbst: Wo stehe ich in diesem Abschnitt meines Lebens? Was macht mich ratlos, hilflos oder ängstlich? Wo bin ich verankert? Was schleppe ich als Last mit mir herum? Was schenkt mir Lebenskraft, Hoffnung und Trost? Was ist für mich herausfordernd und worin möchte ich bestehen? Wer bin ich mit Blick auf die anderen?
Was bin ich bereit zu geben? Was empfange ich? Wonach sehne ich mich? Welche Ziele verfolge ich usw. Ich denke, Maria ist uns Vorbild darin die Dinge im „Licht der Weisheit“ zu sehen und lädt uns ein solchen Fragen nachzuspüren.
Das kann besser gelingen, wenn es Momente des bewussten Innehaltens gibt. Es sind Momente der Stille, des Staunens, des Schweigens, die wir vielleicht einplanen, um nicht zu sagen im Alltag des Lebens für uns organisieren müssen! Da bieten sich unsere offenen Kirchen eigentlich doch immer als Orte der Stille an, aber auch viele schöne Plätze in der uns umgebenden Natur.
Papst Benedikt XVI. sagte einmal: „Weisheit ist nicht etwas Abgestandenes, sondern das Bemühen um ein Verstehen dessen, worum es geht, der Blick auf Wesentliches.“
Nach der Sommer- oder Ferienzeit wünsche ich uns allen diesen Blick und darin das Gefühl der Dankbarkeit, das ein altes Kirchenlied – so weise – in der Einsicht formuliert: „Wie reich hat uns der Herr bedacht, der uns zu seinem Volk gemacht…“ (GL 144)
Die Schwalben fliegen jetzt erst einmal „furt“, aber sie werden schon wiederkommen!
Pastor Frank Niemeier