Klima-Workshop

11. Juni 2022
Vorschläge zur Umsetzung der "ökologischen Umkehr" - Katalog zum Download

Eine recycelbare Papiertasche schmückt den frisch gedruckten Maßnahmenkatalog der Eine-Welt-Gruppe mit Vorschlägen für den Klimaschutz. Sie ist, so steht es auf dem Umschlag, gut gefüllt mit praktikablen Tipps zur Umsetzung der „ökologischen Umkehr“. Ihren Inhalt schütteten die Verfasser am Mittwochabend, 8. Juni, vor großem Publikum im Pfarrzentrum St. Pankratius in Belecke aus. Zum Vorschein kamen dabei die Ergebnisse des Klima-Workshops, in dessen Verlauf Betroffene in den vergangenen sieben Monaten die Themen Wohnen, Konsum, Ernährung und Mobilität genau unter die Lupe genommen hatten.

„Dieses ist keine Abschlussveranstaltung“, betonte Susanne Heppe, Vorsitzende der Eine-Welt-Gruppe, zum Auftakt der Veranstaltung. „Sich für Klima und Gerechtigkeit einzusetzen, sei seit 35 Jahren das Anliegen der Eine-Welt-Gruppe und werde es auch in der Zukunft sein. Dabei war und ist uns durchaus bewusst, aber auch wichtig, so etwas wie „ein Stachel“ in der Gesellschaft zu sein, der auf Missstände im Welthandel mit all seinen Auswirkungen hinweist. Uns ist es – auch als engagierte Christen – nicht egal, was mit und auf der Erde passiert, die wir doch bewahren sollen.“

„2012 wurde dieses jahrzehntelange Engagement der Eine-Welt-Gruppe mit dem Schöpfungspreis des Erzbistums Paderborn ausgezeichnet,“ so Anja Werthmann, Vorsitzende des Pfarrgemeinderats St. Pankratius Belecke. „Im Rahmen dieses Schöpfungstages 2012 wurde das Projekt „Faire Gemeinde“ vorgestellt. Als Pfarrgemeinderat haben wir diese Initiative aufgegriffen, um den fairen Handel weiter zu fördern und uns in 2013 als Faire Gemeinde zertifizieren lassen. Auf dieser Auszeichnung ruhen wir uns nicht aus – im Gegenteil: Wir verstehen sie als Verpflichtung immer wieder durch verschiedene Impulse und Beiträge Akzente als Faire Gemeinde zu setzen und so den Fairen Gedanken bewusst zu machen. Und dieser Klima-Workshop unter der Leitung der Eine-Welt-Gruppe ist ein Beitrag hierzu.“

„Die Impulsgottesdienste im Frühjahr 2021 zu den beiden Enzykliken „Laudato si“ und „Fratelli tutti“ von Papst Franziskus waren der Anstoß an diesen Themen weiterzuarbeiten. „Laudato si“ fordert auf wissenschaftlicher Grundlage ein völliges Umdenken in Bezug auf unser Verhältnis zur Natur, eine ökologische Umkehr. Sie betrifft sowohl den weltweiten Klimaschutz wie auch die Artenvielfalt und die Gerechtigkeit. Die Idee der ökologischen Umkehr schien dem gegenüber so plausibel, dass die EINE-WELT-Gruppe und die faire Gemeinde daran weiterarbeiten wollten und die Idee zum Klima-Workshop entstand.

Nach seinem Rückblick auf die Anfänge des Workshops betonte Theo Sprenger, dass man keine Doktorarbeit vorlegen, sondern die Ideen von Betroffenen der ökologischen Krise zusammenfassen wolle. Streng wissenschaftlich an die Sache heranzugehen, sei nicht Ziel führend. So erhebe man auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. „Suchen Sie sich aus den Vorschlägen einige aus, die Sie dann zeitnah verwirklichen wollen“, schlägt Theo Sprenger vom Leitungsteam des Workshops vor.

Am 10. November 2021 fand die Auftaktveranstaltung dazu statt, mit fast 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine arbeitsfähige Größe für den Klimaworkshop. Themen, Forscherfragen und Vorschläge wurden in vier Gruppen gesammelt: Ernährung, Konsum, Mobilität und Wohnen.

Seitdem trafen sich die Gruppen, um ihre Ideen zu sammeln und für die Auswahl vorzubereiten, im Detail auszuarbeiten und redaktionell zu bearbeiten. „Und heute können wir nun den Katalog von Maßnahmen und Ideen für die persönliche und gemeinsame ökologische Umkehr vorstellen.“

Zum Beispiel könne man sich vornehmen, Lebensmittel sorgsam zu behandeln. In der Folge wäre es unter anderem möglich selber zu kochen und weniger industriell verarbeitete Produkte zu nutzen, pflanzliche Lebensmittelreste in der grünen Tonne oder im Kompost zu entsorgen und/oder Leitungswasser statt Mineralwasser aus Plastikflaschen zu trinken. Wie man bewusst und kritisch einkauft, regionale Angebote erkennt und saisonale Lebensmittel aus eigenem Anbau findet und vieles mehr, erläuterte die Vertreterin aus dem Teilbereich „Ernährung“.

Mit dem Thema „Konsum“ hat sich die Gruppe um Stephan Wiedemann auseinandergesetzt. Unter anderem schlug er vor Möbel und Hausrat nicht zu schnell zu ersetzen: Reparieren statt wegwerfen – laute die Devise. Ein neuer Anstrich könne aus einem alten Stuhl ein Designerstück machen und ein defektes Elektrogerät bekomme im Repair café eine zweite Chance. Hochwertige Produkte seien eher zeitlos statt modisch und wer sich dennoch von einem älteren Schätzchen verabschieden möchte, der könne es weiterverkaufen, tauschen oder verschenken anstatt es zu verschrotten.

„Es ist schwierig, hier bei uns auf dem Land auf ein Auto zu verzichten“, gab Helga Ebers zu bedenken um gleich drauf vorzuschlagen: „Wir können aber durch unser Fahrverhalten zum Klimaschutz beitragen.“ Einige Hinweise des Workshop-Teams in Sachen Mobilität: Flugreisen reduzieren, weniger Auto- mehr Fahrradfahren, bei notwendiger Neuanschaffung auf Elektroauto umsteigen!

Auch zum Thema „Wohnen“ wurde geforscht und nach Alternativen gesucht. So zum Beispiel für den pflegeleichten und doch ökologisch wertvollen Vorgarten. Tatsächlich lassen sich Girsch und Brennnessel auch mit Boden deckenden Zierpflanzen anstelle von Schotter und/oder Beton in den Griff kriegen.

Dass mit ihrer Bereitschaft zum Umdenken auch die Menschen in Warstein den Impuls von Papst Franziskus (Enzyklika „Laudato si) aufgenommen haben, freut vor allem den Leiter des Pastoralen Raumes, Pfarrer Markus Gudermann: „Wir können das Angesicht der Welt nicht verändern, wenn wir abwarten, dass andere etwas tun“, schreibt er in seinem Vorwort zum Ergebnisbericht. Bürgermeister Dr. Thomas Schöne ruft an gleicher Stelle zur Zusammenarbeit auf: „Damit unser blauer Planet auch zukünftig mit Recht diesen Namen tragen darf, müssen wir uns so gut es geht vernetzen und über Landesgrenzen, Religionen und Anschauungen hinweg unser Bestes für den Erhalt der einen Welt tun!“ Im Nachwort aus sozialethischer Sicht verweist Hermann Kroll-Schlüter auf die Notwendigkeit einer globalen Ordnung die „regelbasiert“ sein müsse: „Wir brauchen eine rechtliche, politische und wirtschaftliche Weltordnung, die die internationale Zusammenarbeit auf die solidarische Entwicklung aller Völker hin fördert und ausrichtet.“

„Papier ist geduldig, aber es müssen auch Taten folgen“, war der Tenor in der anschließenden Frage- und Diskussionsrunde. Dem konnte Theo Sprenger nur beipflichten: „Die eigentliche Arbeit beginnt erst jetzt mit der Umsetzung der Maßnahmen. Es wird darauf ankommen, selbst als Vorbilder erste Schritte zu machen und dann andere zu überzeugen.“ Vierteljährlich lud er alle Interessierten zu einem Austauschtreffen ein, um gemeinsam Erfahrungen mit den Maßnahmen aus dem Heft zu besprechen. Garantieren, dass auf diese Weise Katastrophen verhindert werden, könne er nicht geben aber: „Wer kämpft kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren!“

 

„Was trägst du dazu bei?“ – Maßnahmenkatalog zum Download

Ingrid Schmallenberg/Projektteam