„Wir müssen religiöser denken“

18. September 2021

Seit April treffen sich die rund 90 Firmbewerberinnen und Firmbewerber aus dem Pastoralen Raum Warstein in insgesamt vier Kleingruppen regelmäßig zur „Time of Spirit“. In Vorbereitung auf das Sakrament der Firmung, das Weihbischof Dominicus am 7.11.21 spenden wird, beschäftigten sie sich bisher mit „Gottesbildern“, „Jesus“ und dem „Heiligen Geist“ und kamen auch ihren eigenen Gaben auf die Spur.

Jetzt trafen sich die Jugendlichen aus dem Pastoralverbund Warstein und die Belecker im Pfarrzentrum Belecke zu einem besonderen Event. Die „Flucht aus Ägypten“, der „Verrat durch Judas“ und die „Hochzeit zu Kanaa“ sind bekannte Geschichten aus der Bibel. Diese galt es nun in kleinen Rätselgeschichten, in einem so genannten Escape Room, auf die Spur zu kommen. Dazu hatten die Katecheten Kathrin Gärtner und Steffi Lehmenkühler aus Belecke mit Christian Möser, Nicole Heimlich und Dirk Tegetmeyer drei Vertreterinnen und Vertreter der Dekanatsstelle Lippstadt-Rüthen und Paderborn gewinnen können, die diese Escape Rooms schon lange im Programm haben:

Ein Hochzeitsfest und der Wein geht zur Neige. Ein Alptraum für jeden Gastgeber. Jesus konnte Wasser in Wein verwandeln. Weil die Jugendlichen das nicht können, war es die Aufgabe, den Schlüssel zur Vorratskammer zu finden, um Nachschub besorgen zu können.

Vor rund 3.000 Jahren lebten die Israeliten in Ägypten im Exil. Der dortige Pharao hielt sie als Sklaven. Mose erhielt von Gott den Auftrag, die Israeliten aus der Sklaverei zu befreien und sie in das gelobte Land zu führen. Doch der Pharao wollte sie nicht ziehen lassen und schickte die zehn großen Plagen. Die Jugendlichen mussten sich gegen diese Plagen durchsetzen, um schließlich das Land verlassen zu können.

Judas wird allgemein als der Verräter angesehen. Er hat Jesus für 30 Silbermünzen an die Hohepriester verraten, woraufhin Jesus ans Kreuz geschlagen wird. Aber war dieser Judas wirklich der Verräter oder hatten nicht doch andere ihre Hand im Spiel? Im dritten Spiel ging es darum, genau das zu beweisen.

Dafür galt es, verschiedenste Hinweise richtig zu kombinieren und miteinander in Bezug zu setzen. Dazu hatten die Gruppen jeweils 60 Minuten Zeit. Oft war es gar nicht so einfach, die unzähligen Hinweise richtig zusammen zu setzen, um den nächsten Schritt auf dem Weg zur Lösung zu finden. Trotzdem waren alle eifrig dabei und als es dann mal gar nicht weiterging, kam der Hinweis eines Gruppenmitglieds: „Wir sind hier bei der Firmvorbereitung. Lasst uns mal religiöser denken.“ Zum Ende wurden alle Rätsel schließlich gelöst, wenn auch manchmal kostbare Zeit für Hilfestellung geopfert werden musste.

 

 

Für die Firmlinge aus MüSiWa, Allagen und Niederbergheim hatten sich die Organisatoren Christina Hillebrand, Eva Menke und Alfons Dicke einen bunten Strauß an Aktionen überlegt. Los ging es mit einer Waldwanderung von Warstein nach Sichtigvor. Der Bitte, die Smartphones an diesem Tag nicht zu nutzen, kamen die Jugendlichen nach. Viel zu beschäftigt waren sie mit Selbstgebackenem, das herumgereicht wurde – und mit den Situationen, die sie als Gesprächsanreize erhalten hatten: Was wünsche ich mir von meinen Freunden, wenn mich jemand zu mobben beginnt? Wie reagiere ich, wenn es zu einer körperlichen Auseinandersetzung kommt? Einige der Szenarien wurden auch nachgestellt, was die Jugendlichen aus ihrer Komfortzone lockte.

Am Nachmittag wartete im Alten Bahnhof in Sichtigvor eine Stärkung auf die Wandergruppe, die sich dann zur steilsten und letzten Etappe aufmachte: dem Kalvarienberg. Die dortige Kapelle hatte dankenswerter Weise der Kapellenverein vorbereitet. Nun wurde es noch einmal persönlich, wenn man denn wollte: Wie ist es um den Glauben in meinem Leben bestellt? Wie stehe ich zur Kirche als Institution? Mithilfe von brennenden Kerzen verdeutlichten die Anwesenden ihre Nähe zum Kreuz aus Kerzen. Bemerkenswert offen stellten die Jugendlichen ihre Standpunkte dar, es wurden auch Zweifel und persönliche Schicksale geteilt. Beendet wurde der Tag mit einem Brief, den die Firmlinge an eine ganz besondere Person schreiben sollten – an sich selbst. Dieser wird ihnen in etwa einem Jahr zugeschickt. Was dort drin steht? Das wissen nur die Schreiberlinge selbst.

Für alle Firmbewerberinnen und Firmbewerber geht es nun in den Endspurt. Die Firmvorbereitung schließt im Oktober mit den letzten Gruppentreffen ab.

 

Steffi Lehmenkühler