28.03.2025

Den Weg der Opfer nachgehen

Gedenk-Gang mit vielen Einblicken und Eindrücken

In diesen Tagen jährte sich die Ermordung von 208 Menschen, Männern, Frauen und Kindern, die im März 1945 in Warstein, Suttrop und Eversberg ermordet worden sind – Menschen, die aus Russland und Polen zur Zwangsarbeit ins damalige Deutsche Reich verschleppt wurden. Der Pastorale Raum Warstein hatte am Samstag, dem 22. März 2025, zu einem Gedenk-Gang eingeladen, den Weg der Opfer nachzugehen. Auf diesem Weg lagen die Stationen des Verbrechens von 1945: Die Schützenhalle in Warstein, das Langenbachtal, das „Melkeplätzchen“ und schließlich den Friedhof in Meschede im Fulmecketal. 14 Personen machten sich auf den Weg. Einer davon war Dr. Marcus Weidner, der von dem Gedenk-Gang erfahren hatte und extra dafür angereist war. Marcus Weidner ist Historiker beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe und hat sich in den letzten Jahren intensiv mit den Verbrechen rund um Warstein, Suttrop und Eversberg beschäftigt, auch die archäologischen Ausgrabungen an den verschiedenen Tatorten und Friedhöfen angestoßen und begleitet. Im Mai wird seine ausführliche Arbeit als Buch erscheinen. Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Gedenk-Gangs war das ein besonderes Glück: Sie bekamen Informationen aus erster Hand und konnten ihre Fragen direkt an den Fachmann richten.

Es ging unterwegs um die historischen Fakten und welche Spuren die Ereignisse hinterlassen haben. Es ging aber auch um die Art und Weise, wie nach 1945 mit den Opfern und mit der Erinnerung an sie umgegangen wurde. Vor allem die sehr ungleiche Behandlung von deutschen Kriegstoten und den Mordopfern aus Warstein, Suttrop und Eversberg machte stellenweise sprachlos, denn hier ging es nicht nur um ferne Vergangenheit, hier stellen sich bis heute zahlreiche Fragen.

Dass die Gruppe am Ende fast 7 Stunden für die 15 Kilometer brauchte, zeigt, wie ausführlich und tiefgehend die Gespräche an den Stationen und auf dem Weg waren.

Diese besonders intensive Form des Gedenkens und Informierens über die Ereignisse im März 1945 möchte der Pastorale Raum Warstein in Zukunft in jedem Jahr rund um das historische Datum anbieten.

Stefan Enste